28.06.2017 - Im Pollensturm

Sommer, Sonne, Hitze: Die Gräser blühen, die Pollen fliegen und hinten am Horizont zeichnen sich die ersten schwarzen Wolken ab. Heuschnupfengeplagte und Betroffene von allergischem Asthma bleiben jetzt besser zuhause – nicht allein wegen Blitz und Donner.

Eigentlich ist Regen ja ein Segen, befreit er die Luft von Pollen und Partikeln. Das stimmt grundsätzlich – jedoch nicht zu Beginn eines Sommerregens oder Gewitters. Dann lässt sich nämlich eine Häufung von allergischen Reaktionen bei Menschen mit Heuschnupfen feststellen. 

Spezielle Bedingungen
Gleich zu Gewitterbeginn drücken und waschen Abwinde und Regen die Gräserpollen aus den höheren Luftschichten herunter. Die Pollenkonzentration steigt in Bodennähe rapide an. Durch die extreme Luftfeuchtigkeit saugen sich die Pollen mit Wasser voll, bis sie bersten. «Auf diese Weise werden viele kleine, allergene Partikel freigesetzt, die auch tiefer in die Atemwege eindringen können», erklärt Georg Schäppi, Geschäftsleiter von aha! Allergiezentrum Schweiz, der auf diesem Gebiet intensiv geforscht hat. 

Das Phänomen Gewitter-Asthma
Ist das Gewitter besonders heftig – wie dies aufgrund meteorologischer und geografischer Bedingungen zum Beispiel in Australien der Fall sein kann – kann es gehäuft zu aussergewöhnlich starken Asthma-Beschwerden kommen: So hatte ein Gewitter im Dezember 2016 in Melbourne schliesslich dazu geführt, dass sich rund 8500 Menschen wegen Atemproblemen in Krankenhäusern meldeten. Für sechs davon kam die Hilfe zu spät; sie starben.

Bei Gewitter ins Haus
Hierzulande kann eine Gewitterfront bei Menschen mit allergischem Asthma und Pollenallergie ebenfalls verstärkten Juck- und Niesreiz, Husten oder Atembeschwerden auslösen. Georg Schäppi rät deshalb: «Selbst wer unter Heuschnupfen leidet, sollte bei einem nahenden Gewitter im Haus bleiben und die Fenster schliessen. Oder im Freien zumindest seine Medikamente bei sich tragen.» Nach einer halben Stunde Regen jedoch sollten die Pollenpartikel aus der Luft gewaschen sein.

Sommersmog schadet ebenfalls
Auch Luftschadstoffe können die allergene Wirkung der Pollen verstärken. So etwa Stickoxide und Ozon, die vor allem im verkehrsbedingten Sommersmog vorkommen. Treffen Pollenallergene auf die durch erhöhtes Ozon gereizten Schleimhäute, können sich Allergiesymptome weiter verschärfen. Schäppi ergänzt: «Laborstudien zeigen zudem auf, dass sich Schadstoffpartikel aus den Verbrennungsprozessen von Fahrzeugen und Industrie auf der Pollenoberfläche ablagern können – und diese fördern das Allergiepotenzial abermals.»

aha! Allergiezentrum Schweiz hilft

  • Die Applikation «Pollen-News» für Smartphones – praktische Pollenflug-Info für unterwegs.
  • Die Website www.pollenundallergie.ch gibt Aufschluss über den Pollenflug.
  • Mehr Informationen über die Wechselwirkung zwischen Pollen und Luftschadstoffen.
  • Fachpersonen der aha!infoline beantworten persönliche Fragen: Montag bis Freitag, 08.30–12.00 Uhr, Tel. 031 359 90 50. 
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