Der Frühling ist da und mit ihm die Pollen, die in der Schweiz zwei Millionen Allergikerinnen und Allergiker zum Schnäuzen und Schniefen bringen. In Zeiten von Corona rücken Mund-Nasen-Masken als Pollenschutz in den Fokus. Funktionieren sie auch als Pollenbarriere? Prof. Dr. med. Arthur Helbling, Leiter der Allergologisch-Immunologischen Poliklinik am Inselspital Bern und wissenschaftlicher Beirat von aha! Allergiezentrum Schweiz, klärt auf.

Alle tragen Masken gegen Corona-Viren. Können sie Menschen mit Heuschnupfen auch gegen die Pollen helfen?

Prof. Dr. med. Arthur Helbling: Ja, das Tragen einer Maske kann Pollenallergiker und -allergikerinnen vor Pollen schützen. Die chirurgische Maske ist für diese nicht durchlässig. Selbst die kleinsten Pollen sind viel grösser als die Textilschichten der Maske. Somit erreichen die Pollen die Schleimhäute in Nase und Mund nicht mehr und lösen daher dort auch keine Symptome aus. In den meisten Fällen werden Symptome wie eine laufende Nase, Juckreiz im Mund oder Niesen deutlich gemildert.

Welche Modelle der Masken nützen am besten?
Standard-Hygienemasken filtern Partikel, die grösser als 3 Mikrometer sind. Atemschutzmasken Masken mit dem Kennzeichen N95 – auch FFP2-Masken genannt – können Partikel bis zu einer Grösse von 0,04 Mikrometer filtern. Da Pollenkörner zwischen rund 10 und 100 Mikrometer klein sind, vermögen beide Maskentypen Pollenkörner zu filtern. Obwohl der Filtrationsgrad höher ist: Die N95-Masken verringern die allergischen Rhinitis-Symptome kaum zusätzlich.

Was gibt es beim Tragen der Maske zu beachten?
Wer trotz der Maske niesen muss, sollte diese regelmässig wechseln, vielleicht mehrmals am Tag. Ist die Maske feucht, bietet sie kaum mehr Schutz, weder vor Pollen noch vor Viren. Allergiebetroffene sollten vor dem Verlassen des Hauses ihre Allergiemedikamente einnehmen, damit das Niesen oder auch der Hustenreiz unterdrückt sind. Wichtig ist es, dass die Maske korrekt, enganliegend am Gesicht getragen wird, da sonst Pollen und andere kleine Partikel über Luftspalten zu Nase und Mund gelangen.

Und die Augen – sie sind bei Heuschnupfen auch oft betroffen, sie jucken und sind entzündet.
Die Maske kann rote, tränende oder juckende Augen nicht verhindern. Manchmal wird ein gewisser Schutz vor Pollen durch das Tragen einer Brille erreicht. Bei Augenbeschwerden können lokale Tropfen zusätzlich eine Linderung bringen. Generell sollte die Pollenallergie behandelt werden, damit die Schleimhäute nicht überempfindlich werden. Dann können nämlich Gerüche, Parfüms, Staub oder Rauch auch nicht-allergische Reizungen auslösen. Medikamente zur Behandlung einer Pollenallergie sind Antihistaminika, allenfalls lokale Kortisonpräparate oder eine Desensibilisierung.

Was hilft zusätzlich gegen eine Pollenallergie nebst Medikamenten und einer Maske?
Bei jedem Aufenthalt im Freien, auch beim Öffnen von Fenstern, kommt man mit Pollen in Kontakt. Sie verfangen sich in Kleidern, Mützen und Haaren und werden auch in die in Innenräume getragen. Es hilft darum, zu Hause die Kleider zu wechseln, eine Dusche zu nehmen und die Haare zu waschen. Pollenschutzgitter an den Fenstern schützen dort, wo am häufigsten gelüftet wird oder wenn man bei offenem Fenster schläft.