Junge Menschen gehen oft gerne spät ins Bett – und riskieren dabei, eher an Asthma zu erkranken als Frühschläfer. Mitverantwortlich könnte das Schlafhormon Melatonin sein.

Teenager, die nachts lange aufbleiben und am nächsten Tag ausschlafen, können eher Asthma und Allergien entwickeln als ihre Frühaufsteher-Kollegen. Forschungsergebnisse der University of Alberta, Kanada deuten darauf hin, dass «Nachteulen» ein etwa dreimal höheres Risiko für Asthma haben. Auch allergische Rhinitis-Symptome sind gemäss Studie bei ihnen doppelt so wahrscheinlich wie bei den Teenagern, die nachts früh schlafen.

Mehr als 1500 Teenager befragt
Hinweise aus früheren Studien zeigen auf, dass der zirkadiane Rhythmus, also die innere Uhr, auch eine wichtige Rolle bei Atemwegskrankheiten spielt. Um die Zusammenhänge zwischen Asthma und Schlaf besser zu verstehen, wurden 1684 Teenager aus dem indischen Bundesstaat Westbengalen im Alter von 13 und 14 Jahren befragt – zum Auftreten von Keuchen, Asthma, laufender Nase oder Niesen und zu ihrem Schlafverhalten. Das Resultat: Von den Spätschläfern gaben 23,6 Prozent an, Asthma zu haben, verglichen mit 6,2 Prozent der Frühschläfer. 

Schlafhormon spielt eine Rolle
Die Forschenden vermuten, dass das Schlafhormon Melatonin dabei eine Rolle spielt – dieses sei bei Spätschläfern oft aus dem Gleichgewicht. Die junge Generation ist zudem oft abends blauem und weissem Licht von Handys, Tablets und anderen Geräten ausgesetzt, was die Produktion und Funktion von Melatonin ebenfalls stören kann. Die Empfehlung der Forschenden: Die Geräte weglegen und etwas früher ins Bett gehen. Das könnte helfen, das Risiko von Asthma und allergischer Rhinitis zu verringern. 

Allerdings sollten diese Beobachtungen mit Vorsicht interpretiert werden, stellen die Autoren selber klar: Nur ein sehr kleiner Anteil der Teilnehmenden blieben regelmässig nachts länger auf (9 Prozent) und es wurden keine klinischen Messungen von Lungenfunktion, Anzahl Blutkörperchen oder Allergenempfindlichkeit durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Beobachtungsstudie, die noch besser untermauert werden müsse.

Quelle: ERJ Open Research 2020 6: 00226-2020; DOI: 10.1183/23120541.00226-2020